Interview mit Stefan Weilmünster

Stefan Weilmünster. Er ist ein richtiger Allrounder: Saxophonist, Pianist, Chorleiter und noch dazu begeisterter Pädagoge. Am 07.02.2020 ist er zu Gast bei uns in Rosendahl. Vorab haben wir schon einmal mit ihm gesprochen und herausgefunden wie er zu seinem so vielseitigen musikalischen Interesse gekommen ist.

Kurzes Warm-Up: Wer stellt sich vor? Mit wem haben wir es zu tun?

Mein Name ist Stefan Weilmünster. Ich bin Saxophonist, Pianist und Chorleiter und arbeite neben meinen Konzerttätigkeiten als leidenschaftlicher Pädagoge an den Musikhochschulen Frankfurt und Mainz und bin als stellvertretender Schulleiter in meinem Heimatort Seligenstadt unweit von Frankfurt tätig.

Welches Projekt läuft gerade bei dir aktuell oder welches ist dir in besonderer Erinnerung geblieben?

Mein künstlerisches und pädagogisches Leben ist glücklicherweise enorm abwechslungsreich. Gerade bereite ich mich auf die bevorstehenden Weihnachtskonzerte mit meiner Bigband East17 vor. In 2019 gab es für mich gleich mehrere musikalische Highlights. Im Sommer durfte ich mit dem hr-Sinfonieorchester zusammen mit dem Multipercussionisten Martin Grubinger vor mehreren tausend Zuhörern ein Open Air Konzert auf dem Fuldaer Domplatz mitgestalten. Davor spielte ich gemeinsam mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen im gigantischen Baden-Badener Festspielhaus ein tolles Konzert mit Ute Lemper. Als Pädagoge hat mich meine Einladung als Erasmus Dozent an die größte Musikhochschule der Welt, die Hochschule in Wien, vor 2 Jahren besonders gefreut.

Wenn du an früher zurück denkst. Wie bist du damals von der Orgel zum Saxophon gekommen? Was hat dich dazu bewegt auch unter die Bläser zu gehen?

Ich bin ziemlich spät mit fünfzehn nach zehn Jahren Heimorgel-, Klavier- und Gitarrenunterricht über meinen Vater zum Saxophon gekommen. Dass ich mit einem Blasinstrument „Musik atmen“ konnte, also das Auf- und Abschwellenlassen der Töne, hat mich von Anfang an besonders beeindruckt. Außerdem hatte ich als Keyboard und Gitarre spielender Saxophonist sofort ein Alleinstellungsmerkmal in der heimischen Musikszene.

Du spielst auch im Saxophonquartett „Vierfarben Saxophon“. Was macht die Arbeit mit anderen Saxophonisten und Saxophonistinnen so spannend? Und wie kam es zu der Formation und dem Namen?

Der Name ist einfach erklärt, 4 verschiedene Saxophone, 4 KlangFARBEN. Das Quartett bestand schon ein paar Jahre, als 2004 eine personelle Umbesetzung anstand. Den Gründer Bastian Fiebig kannte ich schon lange. Als er mich fragte, ob ich mal zum Vorspielen vorbei kommen könnte, habe ich meine ehemalige Studentin Susanne Riedl mitgebracht. Zwischen uns Vieren hat sofort die Chemie gestimmt und so musizieren wir gemeinsam mit unserem Würzburger Kollegen Jürgen Faas nun schon 15 Jahre in unveränderter Besetzung und mit nach wie vor großem Spaß miteinander. Das ist unter professionellen Quartetten eine echte „Langzeitehe“ und kommt unter Kollegen nicht so oft vor…

Es ist nicht immer üblich, dass man als Musiker auch Dirigent ist. Wie kam es zu diesem „zweiten Standbein“? Was fasziniert dich am Dirigieren?

Ich singe schon seit meinem siebten Lebensjahr in Chören, da lag es schon als Teenager nahe, auch mal ein solches Ensemble zu leiten. Durch mein Saxophonstudium und mein Interesse am Jazz kam dann Anfang der 2000er Jahre noch mein Interesse an Bigbands hinzu. Ich denke durch mein vielseitiges musikalisches Interesse, kann ich Musik ganz gut erklären. Außerdem darf ich bei der Arbeit mit großen Orchestern als Saxophonist den besten Dirigenten der Republik auf die Finger schauen. Die Schlagtechnik dieser herausragenden Spezialisten mit meinen eigenen Ensembles auszuprobieren macht

mir großen Spaß.

Man weiß, du hast dich über Jahrzehnte in ganz unterschiedlichen Musikgenres bewegt. Was fasziniert dich an den verschiedenen Genres? Was fasziniert dich daran Genres zu verbinden?

Musik ist grenzenlos. Die Klassik hat mir die Genauigkeit der Reproduktion und der Technik vermittelt, der Jazz und die Popmusik die Freiheit und den oftmals ungezügelten Spielspaß. Wenn ich es schaffe, diese beiden Seiten der Musik in meinen Konzerten und in meiner pädagogischen Arbeit zu verbinden, bin ich sehr glücklich.

Du bist auch als Lehrbeauftragter tätig. Wieso hast du dich dazu entschieden und was gibt dir die Dozententätigkeit?

Die Arbeit und die Auseinandersetzung mit musikalischen Profis hält mich spielerisch fit. Außerdem mag ich es sehr, Studierenden meine Erfahrungen weitergeben zu dürfen. Sie bereichern regelmäßig mein eigenes Spiel und auch die Arbeit mit musikalischen Laien, indem ich mein eigenes Spielen immer wieder auf’s Neue reflektieren muss. Ich lerne auch viel durch meine Studenten, die an neuen musikalischen Strömungen naturgemäß viel näher dran sind als ich „alter Hase“…

Und zu guter Letzt noch die Frage. Wenn du auf einer Tournee oder Konzertreise bist, dürfen 3 Dinge nicht fehlen, welche?

In erster Linie die richtigen Kolleginnen und Kollegen, ein gutes Bett und ein gutes Abendessen mit der Band oder dem Ensemble nach dem Konzert.

Danke, Stefan Weilmünster.