Interview mit Flavia Feudi

Ein spannendes Interview mit der Klarinettistin und Bloggerin Flavia Feudi. Sie berichtet ausführlich über ihre Ausbildung auf der Klarinette, ihre musikalischen Stationen und über ihr neues Projekt, der Blog „Das Klarinettenzimmer“. Wir wünschen Ihnen viel Freude und Spaß bei dem lesenswerten Interview!

 

Kurzes Warm-Up: Wer stellt sich vor? Mit wem haben wir es zu tun?

Mein Name ist Flavia Feudi. Ich bin Klarinettistin und Klarinettenlehrerin. Seit April 2017 unterrichte ich an der Musikschule Lauffen am Neckar und Umgebung (BW). Ich bin Italienerin, aber ich lebe inzwischen seit fünf Jahren in Deutschland. Nach meinem Bachelor am Konservatorium Santa Cecilia in Rom bei Gaetano Russo habe ich mein Masterstudium und Postgraduate am Mozarteum Salzburg bei Alois Brandhofer und Wenzel Fuchs absolviert.

Mehr über mich findet ihr auf: www.flaviafeudi.com

 

Welches Projekt läuft gerade bei dir aktuell und welches ist dir in besonderer Erinnerung geblieben?

Ich versuche meine pädagogische und künstlerische Tätigkeit immer parallel zu führen. Das macht mir Spaß und hilft mir dabei, mich lebendig zu fühlen. Vor der Corona-Krise hatte ich verschiedene Konzerte im Programm, die leider abgesagt wurden. Vor ein paar Tagen haben wir Ersatztermine für 2021 bekommen, worüber ich mich wirklich sehr gefreut habe. Ich spiele im Duo und auch im Trio mit der Pianistin Maddalena Miramonti und dem Bratschist Alfonso Bossone sowie im Trio mit dem Klarinettist Marius Birtea und der Pianistin Peggy Sung. Diese musikalischen Projekte standen bei mir im letzten Jahr im Fokus.

Mein letztes Konzert fand in Rom statt, kurz vor dem Beginn der Pandemie. Es war so gesehen die Ruhe vor dem Sturm. Ich bin eigentlich andauernd auf der Suche nach neuen musikalischen Projekten und nach Konzertmöglichkeiten und freue ich mich immer neue Erfahrungen.

Als „Projekt“ in dieser besonderen Zeit erwähne ich natürlich den Online-Unterricht mit meinen Schülern. Obwohl diese Umstellung komplett unerwartet kam, habe ich mein Bestes gegeben, damit sich meine Schüler wohlfühlen und um ihnen weiterhin Freude und Lust an der Musik zu verschaffen. Mein letztes und frisches Projekt, das ich in dieser Corona-Zeit konkretisiert habe, ist der Blog „Das Klarinettenzimmer“. Aber darüber erzähle ich euch ausführlich später.

 

Wer ist eigentlich dein größtes (musikalisches) Idol?

Sabine Meyer – Im Jahr 1997, als ich 9 Jahre alt war, erschien eine CD von Sabine Meyer in einer italienischen Zeitschrift. Kurz davor hatten wir unseren alten Kassettenrecorder durch einen CD-Player ersetzt. Meine Eltern kauften mir diese CD. Ich erinnere mich auch heute noch an den blauen Hintergrund und an Sabine Meyers Foto mit ihrer Klarinette in der Hand. Es war meine allererste CD und ich war begeistert. Als Kind wusste ich zwar noch gar nicht genau, wer sie war, aber ich war sofort von ihr fasziniert. Diese CD wurde stundenlang gespielt und auch heute noch höre ich sie oft an. Daneben liegen jetzt auch fast alle anderen CDs von ihr. Als ich zum ersten Mal Unterricht bei Sabine Meyer hatte, hatte ich das Gefühl, ich würde sie schon ewig kennen. Indirekt hat diese tolle Klarinettistin mein klarinettistisches Leben von Anfang an begleitet.

 

Mit welchen Herausforderungen muss man im Musikbusiness nach deiner Erfahrung am meisten kämpfen und welche Tricks helfen Klarinettisten am besten?

Das ist eine sehr gute, aber komplexe Frage. Wir sind alle online und auf verschiedenen Socialnetworking-Plattformen gleichzeitig angemeldet. Wir posten regelmäßig Videos und Fotos unserer Konzerte oder unserer Tätigkeiten, auch um das Interesse der anderen zu wecken. Trotz allem bin ich der Meinung, dass die Qualität der Beiträge wichtig ist. Es ist aber heutzutage auch sehr wichtig, auf dem digitalen Weg, einen guten Einblick in sein musikalisches Können und die eigene Persönlichkeit zu geben. Es ist schwierig (aber möglich), da es immer mehrere (gute) Klarinettisten gibt und die Konkurrenz groß sowie das Niveau hoch ist. Mich selbst online vorzustellen, war für mich zunächst auch ungewöhnlich, aber es hat mir sehr dabei geholfen, neue Kontakte zu knüpfen und für mich zu „werben“.

Meine praktischen Tipps:

    • eine Webseite erstellen
    • nach Konzerten Visitenkarten griffbereit halten
    • bei Bewerbungen für Konzerte eine Aufnahme und eine schöne PDF-Präsentation mit verschiedenen Programm-Vorschlägen mitschicken

Warum hast du dich damals für die Klarinette entschieden und was fasziniert dich an dem Instrument?

Als ich 6 war brachte mein Papa eine 2/4 Geige mit nach Hause. Ich habe sie in die Hände genommen und sofort wie eine Gitarre gespielt. Meine Eltern haben wohl sofort verstanden, dass die Geige nicht so meins war. Mit 7 Jahren habe ich den ersten Musikunterricht – Solfeggio Unterricht – in dem Musikverein meines Dorfes, Monterosi, in der Nähe von Rom, erhalten. Eigentlich wollte ich Querflöte spielen lernen, weil ich von der silbernen Farbe und von dem Schimmer fasziniert war. Der Musikverein brauchte aber damals für die Besetzung dringend Klarinettenspieler; und so bin ich auf die Klarinette gestoßen. Es gibt aber eine kleine Vorgeschichte: Mein Opa und mein Uropa haben schon als Amateur-Musiker im Musikverein Klarinette gespielt. Die Klarinette meines Uropas habe ich sogar noch: eine Orsi Klarinette aus dem Jahr 1891. Sie funktioniert immer noch!

 

Dein Blog „Das Klarinettenzimmer“ – Warum hast du das Blog ins Leben gerufen und was begeistert dich beim Bloggen?

Mein Blog „Das Klarinettenzimmer“ (www.dasklarinettenzimmer.com) ist mein neuestes Projekt. Es ist eine digitale Plattform, die viele Klarinettisten – Schüler, Profis, Lehrer und Amateure – erreichen möchte und hoffentlich einen intensiven Ideenaustausch im pädagogisch-künstlerischen Bereich auslöst. Schon vor langer Zeit bin ich auf die Idee gekommen, ein Blog zu erstellen und da meine täglichen Erfahrungen als Klarinettistin und Klarinettenlehrerin zu teilen. Mit der Corona-Krise konnte ich mich endlich darum kümmern und mich in dieses Abenteuer stürzen. Inzwischen bin ich seit einem Monat online und es läuft ganz gut! Es macht mir viel Spaß! Es hat mich sehr gefreut, neue Klarinettisten und Musiker aus verschiedenen Ländern digital „kennenzulernen“ und von ihren verschiedenen musikalischen Erfahrungen zu hören. Ich bin erstaunt, dass so viel in einem Monat los ist. Auf dem Blog beschäftige ich mich mit vielen verschiedenen Themen, die verschiedenste Musiker interessieren könnten. Das Blog will auch einen Überblick über das Thema „deutsche Klarinette“ geben und eine Hilfe für jene aus anderen Ländern sein, die sich für einen Systemwechsel interessieren oder einfach mehr darüber erfahren möchten. In das Thema kann ich mich zu 100 % hineinversetzen, da ich selbst mit der Böhm Klarinette angefangen habe und erst später auf die deutsche Klarinette umgestiegen bin.

 

Auf deinem Blog gibst du viele wertvolle Tipps und Ratschläge rund um das tägliche Üben. Hast du in deinen Anfängen gerne geübt und wie sieht es heute aus? Hast du eine tägliche Trainingsroutine?

Leider erinnere ich mich nicht, ob ich in meinen Anfängen gerne und oft GEÜBT habe. Ich erinnere mich, dass ich immer gerne GESPIELT habe und gerne zum Unterricht und zur Probe im Musikverein gegangen bin. Ob ich richtig und effektiv geübt habe, kann ich nicht sagen. Meine Eltern meinten, ich hätte regelmäßig und selbständig in der Woche geübt und ich wurde oft von meiner Verwandtschaft und Nachbarschaft darum gebeten, für sie zu spielen. Deswegen hatte ich schon als junge Klarinettistin eine kleine „Bühne“ für mich.

Heute sieht es so aus, dass ich täglich vormittags drei bis vier Stunden übe, da ich nachmittags unterrichte. Ich habe eine tägliche Routine, die aus langen Noten, aus Tonleitern im Legato und Staccato und aus verschiedenen Übungen und Fingerübungen besteht. Ich suche mir für jede Woche drei Tonleitern mit entsprechenden Übungen/Etüden aus, damit ich immer mal eine Abwechslung habe. Zudem übe immer mit Metronom und notiere mir die Tempogeschwindigkeit, die ich erreicht habe. Diese Routine habe ich mir mit den Jahren langsam aufgebaut und sie funktioniert gut bei mir. Es ist aber eine Routine, die zu MIR passt. Das heißt nicht, dass sie zwangsläufig zu allen passen muss. Ich bin der Meinung, dass jeder seine eigene, individuelle und effektive Routine finden kann, da wir alle verschieden sind. Ich freue mich aber, wenn meine Übungsroutine als Inspiration für andere Musiker wirkt. Für Fragen oder kurzfristige Hilfen zu diesem Thema stehe ich gerne zur Verfügung.

 

Dein Weg führte dich von Rom nach Salzburg und letztendlich nach Lauffen am Necker. Welche besonderen musikalischen Erlebnisse verbindest du mit diesen Stationen?

Rom ist die Stadt meiner früheren Ausbildung, wo alles angefangen hat. An der Hochschule „Conservatorio Santa Cecilia“ habe ich mit 12 Jahren mein Studium begonnen. Da habe ich acht wichtige Jahre meines Lebens verbracht und musikalisch und menschlich viel gelernt. Während dieser Zeit habe ich mich bewusst für die Musik entschieden (obwohl ich es eigentlich schon immer wusste) und habe meine Abi-Prüfungen absolviert! Rom ist einfach Rom.

Salzburg ist die Stadt meiner ersten großen Herausforderung. Als ich nach Österreich umgezogen bin, um am Mozarteum Salzburg zu studieren, kannte ich dort keine Menschenseele und konnte auch kein Deutsch sprechen. Ich wollte mich aber auf die Probe stellen und… ich habe es letztendlich geschafft. Es war schwer, aber schön! Es war hart, aber das Beste, was mir passieren konnte. Mein Studium am Mozarteum war die wichtigste Etappe meiner musikalischen Ausbildung. Von meinen Professoren, Alois Brandhofer und Wenzel Fuchs, habe ich als Musiker aber auch menschlich viel lernen können.

Bevor ich in Lauffen am Neckar gelandet bin, gab es aber noch eine Zwischenstation: Berlin.

Berlin war für mich die Stadt der Hoffnung. Dorthin bin ich direkt nach meinem Abschluss am Mozarteum gezogen. Es war anders als in Salzburg und die Umstellung war groß, aber spannend. Ich sage immer, dass ich in dieser schönen Zeit „groß“ geworden bin. Denn mit meiner Ankunft in Berlin war ich auch sofort auf der Suche nach Arbeitsmöglichkeiten. Am Anfang war es schwierig, Kontakte zu knüpfen und Konzertmöglichkeiten zu finden, aber nach einem Monat habe ich die ersten Konzerte gespielt und auch damit begonnen, in verschiedenen Musikschulen zu arbeiten. Berlin ist eine sehr kreative und energiegeladene Stadt, die so viel zu bieten hat und in der es viel zu entdecken gibt.

In Lauffen am Neckar bin eher zufällig gelandet. Obwohl ich mich in Berlin wohl fühlte und die Stadt interessant fand, konnte ich dort nicht ausreichend verdienen. Ich habe die Stellenausschreibung der Musikschule gesehen und mich darauf beworben. Als ich die Stelle dann tatsächlich bekommen habe, war ich froh, aber auch etwas erschrocken. Es war wieder einmal ein Sprung ins Ungewisse, aber trotzdem war es genau das, was mein Bauch mir sagte. Seit drei Jahren unterrichte ich nun schon an der Musikschule Lauffen. Für das Vertrauen in mich und meine Arbeit bin ich der Leitung, den Schülern und den Eltern sehr dankbar. Ich fühle mich in Lauffen am Neckar inzwischen Zuhause.

 

Auf einer Tournee oder Konzertreise dürfen 3 Dinge nicht fehlen, welche?

    • Gute Blättchen
    • Nette Kollegen
    • Eine Foto-Kamera
    • Google Maps auf dem Handy, um herauszufinden, wo die beste Cafeteria der Stadt ist

Danke Flavia!

 

Wenn auch Sie das Klarinette spielen schon immer ausprobieren wollten und die Tipps und Tricks von Flavia Feudi direkt in Tat umsetzen möchten, dann mieten Sie sich doch einfach eine Klarinette und probieren ihr Wunschinstrument aus. Bei uns können Sie professionell gepflegte Klarinetten mieten und dies ohne festgelegte Vertragslaufzeit. Sie bestimmen allein, wie lange Sie die Klarinette ausprobiueren möchten. Hier erfahren Sie alle Details zu den Leihklarinetten!

 

Weitere spannende Informationen über Flavia Feudi finden Sie auf ihrer Website oder ihrem neuen Blog „Das Klarinettenzimmer“.

www.flaviafeudi.com

www.dasklarinettenzimmer.com

https://www.instagram.com/dasklarinettenzimmer/

https://www.instagram.com/flaviafeudi/