Musikinstrument erlernen! Gemeinsam mit anderen Musik machen

Ein Musikinstrument erlernen macht Spaß. Es ist einer Gruppe zu praktizieren aber noch viel mehr. Natürlich ist es möglich und auch nötig ganz für sich alleine Musik zu machen oder nur durch Playalongs eine rhythmische Unterstützung zu erhalten. Doch oft kommt nach Beginn der musikalischen Ausbildung schnell die Lust auf gemeinsames Musizieren. Dabei gibt es ganz viele unterschiedliche Varianten und Kombinationen in denen man gemeinsam Musik machen kann. Ob in einem Ensemble, einer Big Band, einem Orchester oder erst einmal nur zu zweit ist dabei ganz Ihnen überlassen. In unserem Artikel wollen wir die verschiedenen Optionen näher vorstellen und skizzieren welche Variante welche Vorteile hat und warum es überhaupt so schön ist, mit anderen Musik zu machen. Und keine Angst, ein musikalisches Supertalent muss man dafür gar nicht sein.

Die verschiedenen Varianten des gemeinsamen Musizierens

Duett

Für den Beginn des „Miteinander Musik machen“ ist ein Duett durchaus sinnvoll. Hier ist es egal ob Sie ein Melodieinstrument mit einem Klavier kombinieren, zwei Melodieinstrumente gemeinsam spielen oder vielleicht sogar vierhändig am Klavier sitzen. Der Vorteil ist, dass Sie erst einmal nur zu zweit zueinander finden müssen. Gerade für ein gemeinsames Takt- und Rhythmusgefühl und bei Blasmusikinstrumenten auch die Intonierung ist Übung notwendig. Zu zweit kann man dann individueller auf die eigenen Bedürfnisse eingehen und es machen sich schnell Erfolge bemerkbar. Auch in Bezug auf Zeitmanagement und Struktur müssen Sie im Duett nur auf Ihren Partner Rücksicht nehmen. Es gibt auch für das Spielen zu zweit Playalongs die dann noch mehr Freude bereiten können.

Ensemble / Gruppe

Je nach dem ob Sie Ihren Einzelunterricht privat organisieren oder über eine Musikschule, gestaltet sich auch die Auswahl an Ensemble und Band Möglichkeiten unterschiedlich. Während Musikschulen ein breiteres Angebot anbieten, gibt es bei privaten Musiklehrern die Möglichkeit mit gleichen Instrumenten im Duett, Trio, Quartett etc. zu spielen. Die Musikschule schafft, durch ihre Vielzahl an Instrumenten die Möglichkeiten auch mit verschiedenen Instrumenten in unterschiedlichen Besetzungen zusammenzuspielen. Oft kann man dabei sogar das Level wählen und geht damit dem Risiko aus dem Weg unter- oder überfordert zu sein. Auch die zusätzlichen Kosten halten sich, sowohl beim Privatlehrer als auch in der Musikschule meist in Grenzen. Da die Musikschule solche Gruppenspiele fördert, wird es meist erwartet bei Konzerten und Auftritten mitzumachen. Dies kann ein Ansporn sein mehr zu Üben und sich einer neuen Herausforderung zu stellen. Wenn man dies auf gar keinen Fall möchte, kann man dies in der Gruppe besprechen und dann gemeinsam eine Lösung finden. Aus eigener Erfahrung können wir aber sagen, sobald Sie einmal auf der Bühne gestanden haben, erfolgreich ein Stück gespielt haben und das Publikum begeistert applaudiert, erfüllt Sie das Gefühl von Erfolg und einer gelungenen (Team-) Leistung.

Big Band & Orchester

Das Musizieren in einem Orchester oder einer Big Band macht richtig Laune. Das Zusammenspiel von so vielen verschiedenen Instrumenten ist faszinierend und erfordert von jedem Teilnehmer Disziplin und Lernfähigkeit. Dirigiert werden die Gruppen oft von einem Orchesterleiter bzw. Dirigenten. Je nach Professionalität der Gruppe übernimmt dieser auch häufig die organisatorische Leitung. An der Qualität und den Zielen der Gruppe und des Gruppenleiters orientiert sich auch die Frequenz der Proben. In fortgeschrittenen Gruppen ist es üblich auch Satzproben abzuhalten, also in den jeweiligen Instrumentengruppen einzeln zu proben.

Anders als bei der Mitgliedschaft in einem Musikvereinen verpflichtet man sich bei einer unabhängigen Big Band oder einem unabhängigen Orchester zu keiner Vereinszugehörigkeit und dem damit oft einhergehenden Vereinsleben. Dennoch profitiert man bei festen Formationen davon, dass man organisatorische Dinge wie Proberaum und Probezeiten, Beschaffung von Noten und Auftrittsterminen an den Big Band- / Orchesterleiter abgibt. Sie können sich demnach komplett auf ihre musikalischen Part in der Gruppe konzentrieren, sollten aber auf jeden Fall regelmäßig an Proben teilnehmen um den Fortschritt der Gruppe nicht zu gefährden. Die Auswahl der Stücke übernimmt meistens der Orchesterleiter/-dirigent, daher haben Sie weniger Möglichkeiten ihre eigenen Wünsche einzubringen

Musikverein & Musikzug

Bei der Zugehörigkeit zu einem Musikverein, geht man weitaus mehr ein, als eine reine musikalische Bindung. Ein Vereinsleben bringt viele weitere positive Erlebnisse und Beziehungen mit sich. Neben dem musikalischen Zusammenspiel entstehen oft auch Freundschaften und wertvolle Sozialkontakte. Dadurch, dass ein eingetragener Verein keine kommerziellen Ziele verfolgt und gemeinnützig agiert, belaufen sich auch die Ausbildungskosten oft auf ein Minimum. Durch diese Gemeinnützigkeit werden Brauchtum und Kultur in den Mittelpunkt gerückt und gestärkt. Gerade in kleineren Ortschaften und Städten sind Musikvereine das Herzstück der Dorfkultur und prägen die Außendarstellung und das Image maßgeblich. Man repräsentiert durch seinen Verein die Gemeinde. Durch das organisierte und strukturierte Musizieren gibt man ähnlich wie bei einer vereinsunabhängigen Gruppierung die organisatorische Verantwortung ab. Man kann sich darüber hinaus aber in den Vereinsstrukturen engagieren und das Vereinsleben aktiv mit gestalten. Die Konzerte von Musikvereinen bzw. Musikzügen stoßen oft auf großes Interesse und sind je nach Qualität des Vereins durchaus professionalisiert. Aber auch wer sich noch nicht ganz so sicher fühlt ist im Musikverein gut aufgehoben. Ein Musikverein oder Musikzug bietet verschiedene Gruppierungen mit unterschiedlichen Niveaustufen an denen Sie teilnehmen können.

Jammen / lockere & wechselnde Gruppierungen

Wer gar keine Verpflichtungen eingehen möchte, der kommt beim Jammen auf seine Kosten. Jamsessions sind lockere Zusammentreffen von Musikern, die einfach Spaß daran haben gemeinsam Musik zu machen. In erster Linie geht es dabei nicht um einstudierte Stücke, sondern eher darum spontan und interaktiv miteinander Spaß zu haben und sich musikalisch auszulassen. Das kann sowohl vor als auch ohne Publikum passieren. Jamsessions ohne Publikum sind naturgemäß schwerer zu finden, fragen Sie am Besten ihren Musiklehrer oder schauen Sie online in den Sozialen Medien nach wo das nächste Event in Ihrer Nähe stattfindet. Falls für Sie keine passende Session aktuell stattfindet, können Sie diese natürlich auch einfach selbst organisieren. Der Musiklehrer hilft sicherlich dabei.

Jamsession sind eine sehr gute Variante das freie Spielen zu üben, jedoch zu Beginn der musikalischen Ausbildung eher nicht zu empfehlen. Ein wenig geübter Musiker wird zunächst vielleicht überfordert sein, weil er sein eigenes Niveau und das der anderen Mitspieler nicht einschätzen kann.  Vorbereiten können Sie sich auf Jamsession, indem Sie das Spielen „vom Blatt“ und das Improvisieren üben. Auch verschiedene Tonleitern auswendig spielen zu können ist beim Jammen ein großer Vorteil. Dabei verbessern Sie auch Ihr Spielen nach Gehör.

Was muss ich können um mit anderen Musik zu machen?

Pauschal beantworten kann man die Frage danach, wie viel jeder einzelne können muss um gemeinsam Musik zu machen, natürlich nicht. Zunächst kommt es auf das Niveau der Gruppe an. Wenn die Gruppe klein ist, kann individuell stärker auf jeden einzelnen Teilnehmer eingegangen werden. Das hat den Vorteil dass auch unterschiedliche Niveaustufen gut zusammenspielen können. Oft gibt es auch Stücke die unterschiedliche schwierige Stimmen haben, sodass der Lehrer diese nach Niveau verteilen kann. Weiter kommt es darauf an für welche Variante Sie sich entscheiden. Wenn Sie in einer festen großen Gruppierung wie einem Orchester oder einer Big Band agieren, sollten Sie schon etwas fortgeschrittener sein. Denn durch die Gruppengröße kann nicht so individuell auf Ihre Probleme eingegangen werden. Wenn Sie aber die Stücke und Passagen zu Hause gut einstudieren, dann wird in den Gruppenproben das Zusammenspiel nicht mehr so schwer fallen.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie bestimmten Anforderungen gerecht werden können, dann ist es wichtig sich einfach auszuprobieren. Jede Gruppe bietet Schnupperstunden, in denen man sich ein erstes Bild vom Niveau der Mitspieler machen kann. Insbesondere bei kleinen Gruppen ist es auch üblich, dass man es einfach mal zusammen probiert und sieht ob es musikalisch und sozial harmoniert. Ihr eigenes Niveau ist demnach nicht der limitierende Faktor um gemeinsam Musik zu machen. Wichtig ist, dass Sie sich, gerade zu Beginn Ihrer Ausbildung für eine Variante entscheiden in der Sie sich wohlfühlen.

Wieso sollte ich mit anderen Musik machen? Wieso ist es wichtig, das Spiel von anderen Musikern kennenzulernen?

Die Antwort ist einfach. Zusammen Musik machen bringt Spaß, setzt Endorphine frei und bringt neben einem großen Lerneffekte auch soziale  Kontakte. Als größten Lerneffekt beim Gruppenmusizieren ist wohl die Hörbildung anzuführen. Darauf achten wie andere spielen, darauf reagieren und gemeinsam den harmonische Klänge erzeugen, stellen das Gehirn vor ganz andere Herausforderungen als das Solomusizieren. Auch das musikalische Verständnis erweitert sich massiv dadurch, dass man andere Instrumente und Musiker kennenlernt und die Art und Weise wie sie bestimmte Passagen, Tonfolgen und Stücke interpretieren. Es ist spannend, diese Unterschiede in der Praxis kennenzulernen. Viel zu oft denken wir fälschlicherweise, alle anderen hätten die gleiche Herangehensweise wie wir selbst!

Mit anderen Musikmachen fördert also nicht nur die soziale Kompetenz sondern hat auch einen großen Lerneffekt für das Gehirn und das musikalische Verständnis.

Zum Ende ist die entscheidende Frage: Was suche ich?

Es ist nicht immer einfach, andere Musiker zu finden mit denen das Zusammenspielen klappt, mit denen man gleiche Vorstellungen teilt und mit denen man auch sozial gut harmoniert. Natürlich aber ist es elementar, genau diese Teammitglieder zu finden. Dabei ist es von großer Wichtigkeit, dass Sie genau wissen oder zumindest eine ziemlich genaue Vorstellung davon haben, was Sie möchten. Wir haben 5 elementare Fragen zusammengestellt die Sie vor ihrem Zusammenspiel mit anderen und der Suche nach den richtigen Musikpartnern beantworten sollten:

  1. Welche Musikrichtung / welche Stücke möchten Sie gerne spielen?
  2. In welcher Kombination können Sie sich vorstellen zu spielen?
  3. Möchten Sie Konzerte geben oder kleine Auftritte erleben?
  4. Wie viel Zeit möchten und können Sie in das gemeinsame Musizieren investieren?
  5. Haben Sie bestimmte Ambitionen und Ziele die Sie gemeinsam erreichen möchten?

Und zu guter Letzt benötigen Sie noch die passende Portion Mut. Das gemeinsame Musizieren kostet am Anfang sicherlich etwas Überwindungen. Die Fragen danach ob man sein Instrument gut genug beherrscht, ob man den zeitlichen und musikalischen Anforderungen gerecht werden kann und ob man überhaupt in der Lage ist mit anderen zu spielen, beschäftigen Sie sicherlich. Die Antwort ist: Ja, denn jeder der sich traut, wird das gemeinsame Spielen schätzen und den eigenen und gemeinsamen Lernerfolg voranbringen. Fragen Sie direkt in der nächsten Stunde ihren Musiklehrer welche Möglichkeiten er sieht, gemeinsam Musik zu machen.

Wenn Sie sich darüberhinaus fragen, wie viel Sie eigentlich üben sollten oder dürfen um erfolgreich zu sein, lesen Sie unseren Blogbeitrag über Tipps und Tricks zur richtigen Übefrequenz.